Luisa Berghammer
not-me
Ausstellung
13. Dezember 2025 – 28. Februar 2026
Opening: Freitag, 12. Dezember, 18:00–21:00


Luisa Berghammers Ausstellung not-me rückt den sich wandelnden Status von Objekten während ihrer Bewegung durch unterschiedliche Produktions- und Präsentationssysteme in den Fokus. Indem die Requisite als Form begriffen wird, die sich zwischen Funktion und Fiktion aufhält, versucht die Ausstellung nachzuzeichnen, wie sich Objekte von Instrumenten des Gebrauchs zu Bedeutungsträgern entwickeln, ohne sich je vollständig auf eine der Kategorien festzulegen. Was dabei entsteht, ist keine Erzählung der Transformation, sondern der Verschiebung: Die Ausstellung untersucht, wie Objekte in der Bewegung durch unterschiedliche Systeme fortlaufend Bedeutung ansammeln und wieder ablegen. 

not-me befasst sich mit der Zirkulation des Objektes zwischen Requisitenverleih, Film, Theater und Kunst und legt dadurch offen, was üblicherweise im Peripheren seiner Darstellung verborgen bleibt. Sichtbare und unsichtbare Spuren – wie Etiketten, Nummern und Verträge – verweisen auf die bisherige Nutzung der Requisite und somit auf offizielle Katalogisierungssysteme und informelle Nutzungspraktiken. In den Kunstraum eingeführt, werden die Requisiten zwar ihrer unmittelbaren Funktion als Ausstattung von Szenen in Film und Theater entzogen, existieren jedoch weiterhin als Objekte, die einer gewissen Zirkulations- und Gebrauchslogik des Requisitenverleihs angehören.

So wird die Aufmerksamkeit von dem Objekt auf seine Bedingung gelenkt: Das Ausstellen im Kunstkontext ist nie eine neutrale Präsentation, sondern stellt einen Rahmen zur fortlaufenden Verhandlung von Bedeutung und Wert dar. Der Kontext wird in dieser Ausstellung als performative Bedingung vorausgesetzt, nicht als bloßer Hintergrund – und somit als eine Struktur, die verhandelt, wie Objekte sich von ihren ursprünglichen Funktionen lösen, um anderswo erfassbar zu sein.

Wesentlich ist, dass diese Umpositionierung nicht in einer Absorption resultiert: Die Requisiten bleiben vertraglich an ihre Rückgabe gebunden. Die Bühne die Kevin darstellt ist ein temporärer Aufenthaltsort, kein Endpunkt. Sie können nicht verkauft oder gesammelt werden und finden somit keinen Weg in die Logik des Kunstmarktes. Die Objekte verweigern sich damit der üblichen Funktion des Kunstraums als Ort der Wertgenerierung, an dem Objekte allein durch räumliche Setzung als Kunstwerke autorisiert werden. Der Mietvertrag mit dem Requisitenverleih dient als rechtliche Infrastruktur, die verhindert, dass sich die Identität der Objekte als Kunstwerke stabilisiert. Die Ausstellung operiert innerhalb, aber nicht vollständig gemäß den Regeln der Kunstökonomie und ist bewusst an ein anderes System gebunden, das vielmehr durch Zirkulation als Besitz strukturiert ist. 

Die Verweigerung der Objekte in die Kategorie Kunst überzugehen, macht sichtbar, wie Identität und Wert Kunstwerken aktiv zugewiesen wird. Die Ausstellung versucht nicht festzulegen, was diese Objekte sind; sie verfolgt, wie sie klassifiziert, reguliert und in unterschiedlichen Kontexten sichtbar gemacht werden. Die Präsenz und Funktion der Requisiten in not-me rücken das institutionelle Gerüst des Ausstellungsraums in den Vordergrund. Er handelt als eine Institution, die den gezeigten Objekten Bedeutung, Lesbarkeit und Wert zuweist. Hier vollzieht sich dieser Mechanismus jedoch nie gänzlich: Die Requisiten scheinen den Kunstkontext selbst als einen Mechanismus der Neutralisierung offenzulegen, der daran interessiert ist ihren früheren Gebrauch zu verdecken, um ästhetischen Wert zu erzeugen.

Hier wird Maßstab als operative Größe wirksam. Er ruft ein „Anderswo“ als konstitutiv und nicht als beiläufig auf und beleuchtet damit die anderen Orte und Systeme gegen die das „Hier“ des Raums gelesen wird. Der Maßstab bezieht sich nicht ausschließlich auf die Dimension des Objekts selbst, vielmehr auf das Netzwerk von Bezügen, durch das es Bedeutung gewinnt. Der Kunstraum erscheint als ein Ort innerhalb eines komplexen Feldes, das über die Relationen von Produktionsstätten und Zirkulationssystemen verbunden ist, die bestimmen, wie Objekte sich bewegen und was sie bedeuten.

Die Requisite wird zum Zeugnis ihres eigenen Gebrauchs: Das Mikrofon steht nicht länger bloß für ein Objekt, das eine Stimme überträgt, sondern macht als Symbol die Systeme sichtbar, die bestimmen, wie – oder ob – diese Stimme gehört wird. In der Ausstellung verweisen die Mikrofon-Windschutze sowohl auf den Schutz des Objektes als auch auf den Ausschluss bestimmter Geräusche, die herausgefiltert werden. Durch die Hervorhebung von Momenten der Verstärkung, Aufzeichnung und des Ausschlusses wird das institutionelle Gerüst offengelegt, das es überhaupt erst ermöglicht Inhalte zu verbreiten – und sie zugleich formt und strukturiert. Mediation ist hier kein neutraler Vorgang, sondern eine strukturelle und politische Bedingung, die regelt, wer sprechen darf und wie Sprache zirkuliert, sobald sie sich von ihrem Ursprung löst.

James Meyers Konzept des „functional site“ bietet einen theoretischen Rahmen, in dem diese Vorgänge sichtbar werden. Der Ort erscheint nicht als einzelner physischer Standort, sondern als Netzwerk miteinander verbundener Positionen – materieller, diskursiver und rechtlicher Art.

Der Kunstraum, der Requisitenverleih, der Vertrag: Sie alle fungieren als Knotenpunkte in einem System, in dem Bedeutung durch Relation und nicht durch räumliche Nähe entsteht. Das in Beziehungsetzen der verschiedenen Kontexte kann offenlegen, wie sich Infrastrukturen über verschiedene Register hinweg wiederholen, wie sich Objekte in Relation organisieren, oder die Strukturen widerspiegeln, die ihren Status anderswo bestimmen.

Anstatt die Identität des Objektes aufzulösen, hält not-me seine Ambivalenz aufrecht, indem Sprache, Ausstellung und Kontext als verflochtenes Regime der Produktion in den Vordergrund rücken. Der Kontext wird zu einer Form der Verbindung: Infrastrukturen werden durch das Nachzeichnen der Objektbewegungen über Maßstäbe und Orte hinweg sichtbar.

Luisa Berghammer ist eine in Wien lebende Künstlerin. Sie hat zuerst Bühnenbild und anschließend Bildende Kunst in der Abteilung Skulptur und Raum an der Universität für Angewandte Kunst Wien studiert. Die Künstlerin arbeitet mit den Medien Video, Skulptur und Text und interessiert sich für die Bedingungen der zeitgenössischen (künstlerischen) Produktion, Distribution und Rezeption. Berghammer bezieht ihr Material oft aus den Überschüssen und Leerstellen, die durch Diskrepanzen entstehen: Diskrepanzen zwischen einem Produkt und seinen Herstellungsbedingungen, zwischen einem Konzept und seiner Umsetzung, zwischen Kollektivität und Ego. Ihre Praxis ist geprägt von dem Wunsch nach einem kritisch überarbeiteten Zugang zu Autonomie. Berghammer hat u.a. bei Rupert, LT (), in der WAF Galerie, AT (2025), in der Kunsthalle Wien, AT (2024), im Neuen Kunstverein Wien, AT (), im Zink Kunstverein, AT (2023), im Volkstheater Dunkelkammer Wien, AT (2022), und in der Oststation, AT (2021) Arbeiten gezeigt.

Eine Kopie von Luisa Berghammers on context (2025) ist hier online verfügbar.

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, On distance, Kevin 2025. Rented props (pin needles); dimensions variable. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, On distance, Kevin 2025. Rented props (pin needles); dimensions variable. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, On horizontality and verticality 1, Kevin 2025. Rented props (picture frame, Austrian passport, photographs), foam board; 18,5 × 18 × 1,5 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, On the mediating apparatus, Kevin 2025. Rented prop (microphone covers); dimensions variable. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, On distortion, Kevin 2025. Rented props (flagpoles), foam board, glue; 180 × 6 × 3,5 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, On neutrality, Kevin 2025. Lighting barn doors; 30 × 30 × 18 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, On transferability, Kevin 2025. Rented props (book-mockups), clips, tape; 210 × 27,5 × 21,5 cm; 112 × 66 × 30 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, On transferability, Kevin 2025. Rented props (book-mockups), clips, tape; 210 × 27,5 × 21,5 cm; 112 × 66 × 30 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, On transferability, Kevin 2025. Rented props (book-mockups), clips, tape; 210 × 27,5 × 21,5 cm; 112 × 66 × 30 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, On horizontality and verticality 2, Kevin 2025. Rented props (picture frame, photographs); 24,5 × 18,5 × 2,5 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, On horizontality and verticality 3, Kevin 2025. Rented props (picture frame, school portrait photo); 13 × 13 × 1 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, On transferability, Kevin 2025. Rented props (book-mockups), clips, tape; 210 × 27,5 × 21,5 cm; 112 × 66 × 30 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, On becoming prop, Kevin 2025. Foam board, glue, fishing lures; 31 × 30 × 12,5 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, not-me, installation view, Kevin 2025. Photo: Flavio Palasciano 

Luisa Berghammer, On transferability, Kevin 2025. Rented props (book-mockups), clips, tape; 210 × 27,5 × 21,5 cm; 112 × 66 × 30 cm. Photo: Flavio Palasciano

Luisa Berghammer, On context, Kevin 2025. Springback binder, text excerpts, bibliography; 31 × 22,5 × 2,5 cm. Photo: Flavio Palasciano