Marianne Vlaschits

Venus City

10. Dezember — 29. Januar 2017

Auf ihrer Reise durch die Galaxie steuert die Kommandeurin Ellen Ripley mit ihrer weiblichen Besatzung im Raumschiff Atana endlich die schwebende Stadt, Venus City, an. Wie Seifenblasen gleiten die Ballons weich rhythmisch über dem Wolkennebel auf und ab. Diese seidenen Mikrowelten namens HAVOC (high altitude venus operational concept) beschreiben ein zwar noch hypothetisches aber durchaus mögliches Forschungsprojekt der NASA, die Atmosphäre des orangenen Planeten aufgrund ihrer erd-ähnlichen physikalischen Eigenschaften zu bewohnen.

Nach einem Auftakt mit „A disturbance traveling through a medium“ in der Duve Galerie in Berlin im September diesen Jahres, setzt Marianne Vlaschits mit „Venus City” bei Kevin Space die Reise der Raumfahrerinnen und ihre Erkundung neuer Lebens- und Denkmodelle fort. Über einer Nebeldecke erhebt sich die luftige Installation aus 18 Metern reiner Seide, die schlangenförmig und labyrinthartig von oben herab den Raum ausfüllen. Die unterschiedlich geformten und gefärbten HAVOC Luftschiffe, die sowohl barocken Keramiken als auch futuristischen Designs aus Computerspielen entstammen und wohl nicht unbeabsichtigt Ähnlichkeiten zu Körperteilen und Organen aufweisen; sowie ihr digital generierter realistischer Wolkenhintergrund, wurden in einem CGI Simulationsverfahren auf den feinen, fast transparenten Stoff gedruckt. In die übersteigerte goldene Himmelsfarbe des Planeten gebettet und von mystisch-sirenenartigen Klängen eingehüllt, verschwimmen in „Venus City” Bild und Raum zwischen traumartiger Fiktion und konkreter räumlicher Erfahrung.

Als lustvolle und üppige Materialisierung menschlichen Begehrens, übertönt vom fahlen Geschmack apokalyptischer Dekadenz, schwingt in dieser Manifestation der Venus Stadt eine Aufforderung zur Überprüfung der Grenzen zwischen Utopie und Vision mit. Denn – es handelt sich hier nicht um reine Luftschlösser. Die Umsetzung des NASA Forschungsprojekts offenbart aufgrund der angenommenen und selbstverschuldeten Unbewohnbarkeit der Erde durch Klimawandel eine Dringlichkeit neuer Lebensorte für die Spezies Mensch. Mit dieser Vision vor Augen, liegt in der versuchten Auflösung zwischen Darstellung und Raum, Fiktion und Realismus, desorientierenden Perspektivwechseln und dem humorvollen Spiel zwischen Darstellungsformen und Referenzen (etwa männlich-pragmatisch konnotierter massiver Land Art und CGI und scheinbar expressiv weiblicher Elemente, Sinnlichkeit, Verführung und Seidenmalerei) der Versuch eines sowohl imaginären als auch situierten Bruchs mit erlernten Wahrheiten.

Marianne Vlaschits kreiert mit diesem Kosmos ein alternatives Skript zu gängigen Zukunftsszenarien, in denen eine feministische Vision entweder beängstigt oder unvorstellbar scheint. Die Venus Stadt möchte daran erinnern, dass, wenn der Untergang einer patriarchalen Weltordnung dystopischer erscheint als der Untergang der Menschheit selbst, die Bilder, die wir von der Zukunft ersinnen können, die Grenzen unserer politischen Vorstellungskraft auszeichnen.

Marianne Vlaschits (geb. 1983 in Wien) lebt und arbeitet in Wien. Von 2005 bis 2010 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste bei Gunter Damisch. Zu Ihren jüngsten Ausstellungen gehören unter anderem "A disturbance traveling through a medium", Duve Gallery Berlin, 2016; "Welcome to the Jungle", Kunst-Werke Institute for Contemporary Art, Berlin, 2015 (Gruppenausstellung); "Panama", One Work Gallery, Wien, 2015; "Large Feet", La Musery, Wien, 2015; "Pas de Deux" (mit Marc-Alexandre-Dumoulin), Nile Sunset Annex, Kairo, 2014; und "Praxis der Liebe", Salzburger Kunstverein, Salzburg, 2013 (Gruppenausstellung).

Musik von Rana Faharani

Venus City
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