Parastu Gharabaghi

open the door close the window

07. Juli — 24. August 2019

Parastu Gharabaghi arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur, Installation und Video und stellt in ihrer vielschichtigen Praxis vorherrschende Konzepte von Autorschaft sowie die Rolle von Künstler_innen in Frage. Durch die Beteiligung eingeladener, manchmal mysteriöser Kollaborateur_innen inszeniert die Künstlerin oftmals mehrdeutige Dramaturgien ungewisser, verwirrter Identitäten. Bei Kevin Space untersucht und verwischt Gharabaghi die Identitäten von Räumen, die über die ihnen zugewiesenen Funktionen definiert werden. In der neuen ortsspezifischen Werkreihe werden gegensätzliche Räume oder Bereiche gespiegelt und gleichzeitig durch Erinnerung, Fiktion und Störimpulse verschoben und infiltriert.

Die Ausstellung open the door close the window entlehnt ihren Titel einem Zitat aus einem veralteten Englisch-Lehrbuch, das mehrere Lesarten eröffnet. In seinem Kern impliziert der Titel die Existenz eines einander bedingenden Innen und Außen sowie eines Dazwischens: voneinander getrennte räumliche Einheiten, jedoch zugleich verbunden und porös. Als eine unmittelbare Reaktion auf den Standort und die Umgebung des Ausstellungsraumes, spiegeln die gestrichenen Wände des Innenraumes die Fassade des Gebäudes und des Nachbarhauses wider: Ein grauer Streifen am unteren Teil der Wand (ein praktischer und häufig verwendeter Dekor an urbanen Fassaden), ein subtiles gebrochenes Weiß sowie ein rosa Farbton, der auf einen oberhalb des ersten Stockwerks, vorspringenden Teil der Gebäudes reagiert, ihn aber in den hinteren Teil des Ausstellungsraums invertiert. Das Farbschema suggeriert einen Raum, dessen Erscheinungsbild zwar ein Äußeres imitiert, aber eindeutig als Innenraum fungiert.

Als eigenartige ovale Sitzanordnung präsentiert, verweist ein Arrangement von möbelartigen Skulpturen auf die am Platz verstreuten Bänke, die vor den Schaufenstern von Kevin Space zu finden sind. Während die Bänke auf dem Volkertmarkt von den Bewohner_innen des Viertels ständig an die Bedürfnisse ihrer Aktivitäten und sozialen Zusammenkünfte angepasst und umgestellt werden, wurden Gharabaghis Bänke für den Innenbereich konzipiert. Die skulpturale Arbeit erinnert dabei an ärztliche Behandlungsliegen und pendelt in ihren Dimensionen unentschlossen zwischen einem Tisch und einer Bank. Die ungeschickte Form lädt die Besucher_innen dazu ein, miteinander zu interagieren und zu entscheiden, wie sie die Bank verwenden möchten: Darauf liegen oder sitzen? Wie kann man mit anderen in Kontakt treten? In einer scheinbar sozialen, kreisförmigen Anordnung, in der Menschen ihren Blick nach innen richten und einander ansehen (wenn auch gleichzeitig isoliert, von der Außenwelt abgewandt)? Oder mit dem Rücken einem suggerierten inneren Kreis abgewandt, indem man in einer lockeren, vielleicht einsamen, aber möglicherweise auch zugänglicheren Position nach außen blickt? Soll man die Bank gar nicht verwenden, sondern rein als Skulptur betrachten und wahrnehmen?

Die geloopte Videoarbeit Abesard zeigt Bilder eines verwilderten, unzugänglichen Swimming Pools, der seiner Funktion und Bedeutung als sozialer Raum beraubt wurde; Reflexionen der Außenwelt flimmern auf der Wasseroberfläche und bieten – ähnlich wie ein iranischer Kinder-Ball und dessen verzerrtes Bild auf dem Boden der Ausstellungsraumes – Einblicke in assoziative Räume.

Der Moment des Sozialen kulminiert im hinteren Bereich des Raumes, der in eine Bar – dem (angeblich) ultimativen sozialen Raum – verwandelt wurde. Durch eine kleine vorhangartige Hänge-Skulptur als Schwelle markiert spiegelt die rosa Farbe der Wände nicht nur die Fassade des Gebäudes wider, sondern könnte auch an die beruhigende Wirkung des Baker-Miller Pink erinnern, das in psychiatrischen Einrichtungen oder Gefängniszellen verwendet wird. In diesem Barbereich – konzipiert als eine Bühne für die Ausstellungseröffnung, in der tatsächliche oder imaginäre Gäste das Werk konstituieren – werden durch die Einladung an Fabian Leitgeb, dessen Zeichnung im Raum integriert ist, Aspekte des Sozialen und des Kollektiven weiter betont. Eine Sound-Arbeit, die Gharabaghi in Zusammenarbeit mit dem Künstler Demian Kern produzierte, eröffnet zudem einen akustischen, Raum, in dem sich erneut verschiedene Sphären (angedeutet durch verzerrte Jazz Klänge, musikalische Konversationen, Rezitationen von Cocktailrezepten oder den subtilen Klang von Wasser in einem Schwimmbad) alle zu überlagern und vermischen scheinen.


Parastu Gharabaghi (geb. 1987 in Wien) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Ashley Hans Scheirl und Julian Göthe, sowie Bildhauerei an der Slade School of Fine Arts in London. Ihre Arbeiten wurden unter anderem bei Gärtnergasse, Wien, Alma Zevi, Venedig, Egret Egress, Toronto, Agnes Maybach, Köln, VBKÖ und Xhibit, Wien gezeigt.

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